Verändertes Körpergefühl während der Schwangerschaft

Die Zeit der Schwangerschaft bietet sich besonders an, um mit Übungen zur Wahrnehmung zu beginnen oder diese zu vertiefen. Die starken Veränderungen im Körper einer Frau, in unserer Wahrnehmung, im Bereich unserer Gedanken und unserer Emotionen laden zur Entwicklung einer neuartigen Wachheit, zum Staunen und zur Würdigung unseres Körpers geradezu ein.

Manche haben in der Schwangerschaft vielleicht zum ersten Mal das Gefühl, völlig in ihrem Körper anwesend zu sein. Die Veränderungen in unserem Körper sind nicht nur für uns selbst, sondern auch für Menschen in unserer Umgebung von Interesse. Durch ihre Reaktionen werden wir immer wieder an unseren besonderen Zustand erinnert, wobei die Reaktionen von wohlwollenden Erkundigungen nach unserem Befinden bis hin zu unerbetenen Ratschlägen und unerwartetem Betätscheln unseres Bauches reichen können.

Die vielen körperlichen und emotionalen Veränderungen, die wir während der Schwangerschaft durchleben, eröffnen uns einzigartige Möglichkeiten, intensiv an der Entwicklung des Körpergefühls zu arbeiten - indem wir uns unserer Erfahrung bewusst sind und wir als Person voll und ganz gegenwärtig sind.

Werden wir uns bewusst, welche Erwartungen wir an uns selber haben. Dazu gehört auch, dass wir unsere Fähigkeit akzeptieren und ebenso entwickeln wie Güte und Mitgefühl - insbesondere uns selbst und unserem Baby gegenüber - und indem wir Gefühle tiefer Verbundenheit zulassen.

Den werdenden Vätern stehen diese Möglichkeiten ebenfalls offen. Während der Schwangerschaft können auch sie achtsamer ihren eigenen Gefühlen gegenüber werden, beispielsweise was ihre Reaktionen auf die in unserem Körper stattfindenden Veränderungen, die die Geburt des Kindes unvermeidlich für ihr eigenes Leben mit sich bringen wird. Auch für die bringt die bevorstehende Geburt äussere und innere Arbeit mit sich, weil sie an den notwendigen Planungen und Entscheidungen beteiligt sind und mehr Empathie und Selbstlosigkeit entwickeln müssen, um sich auf unseren besonderen Zustand und den geheimnisvollen Prozess der Verwandlung von zwei zu drei Menschenwesen einzustellen.

Vor unserer Schwangerschaft waren wir wahrscheinlich ständig aktiv: häufig in Eile, relativ unbewusst und bemüht, immer mehr zu schaffen. Plötzlich finden wir uns in einer langsameren, empfänglicheren Art des „Seins“ wieder. Die extreme Erschöpfung, die uns nun zeitweise überkommen mag, kann uns zwingen, mit unseren Alltagsaktivitäten kürzer zu treten, denn unser Körper muss nun schwer arbeiten, um mit Hilfe der erstaunlichen Plazenta, die sich neu entwickelt hat, und unserer wesentlich stärkeren Blutversorgung unser heranwachsendes Baby zu ernähren.

Wenn wir diese Veränderungen ignorieren und versuchen, genauso geschäftig weiterzuleben wie bisher, lassen wir eine grosse und schnell vorübergehende Chance verstreichen, die Welt auf eine andere, auf eine langsamere, bewusstere und sensiblere Weise zu erfahren. Obgleich die bevorstehende Geburt unsere Gedanken und Fantasien immer wieder in die Zukunft lenkt, bringen uns die ständigen Veränderungen unseres Zustandes gleichzeitig immer stärker zu Bewusstsein, wie wunderbar das ist, was in diesem Augenblick geschieht. Die Schwangerschaft eröffnet uns auf ganz natürliche Weise die Möglichkeit, uns nach innen zu wenden und uns auf uns selbst zu besinnen. Dabei können wir uns mit Hilfe des Atems erden und so unsere Verbindung zum gegenwärtigen Augenblick vertiefen.

Auf diese Weise werden wir uns in stärkerem Masse unserer Gedanken, unserer Gefühle, unseres Körpers und des Babys bewusst, das in uns heranwächst. Wenn wir den Atem langsam und tief werden lassen und bewusst spüren, wo wir uns verspannen, können wir diese Spannungen mit jedem Ausatmen aus unserem Körper heraus fliessen lassen. Die Schwangerschaft kann eine Zeit starker Emotionen sein, die sich zudem rasch verändern können. Selbst wenn wir uns sehnlichst gewünscht haben, schwanger zu werden, können wir ausser Glücksgefühlen auch Augenblicke von Angst, Ambivalenz, Zweifel und Unsicherheit erleben.

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Während der Schwangerschaft fühlen sich Frauen oft emotional verletzlicher und sensibler gegenüber optischen Eindrücken, Geräuschen und Gerüchen. Jede Schwangerschaft ist anders, jede Frau ist anders, und jeder Tag ist anders. Das Spektrum der möglichen Erfahrungen ist enorm. Es kann sein, dass wir uns gesünder und strahlender fühlen als je zuvor, dass wir uns in einem nie gekannten Masse wohl fühlen, aber auch, dass wir uns unglaublich krank, elend und bewegungsunfähig fühlen. Es kann ebenfalls sein, dass wir enttäuscht, wütend oder frustriert sind, weil das, was wir erleben, nicht unseren Vorstellungen und Erwartungen, die wir von der Schwangerschaft hatten, entspricht.

Während der Schwangerschaft achtsam zu sein bedeutet nicht, dass wir uns auf eine bestimmte Weise fühlen „sollten“ oder dass es gilt, irgendeinen Idealzustand zu erreichen, der für uns und unser Baby der beste ist. Vielmehr geht es darum, dass wir das volle Spektrum unserer Gefühle und Erfahrungen anerkennen und akzeptieren und uns bemühen, so gut damit umzugehen, wie es uns möglich ist.

Diese Art der Orientierung, die im Bewusstwerden und Akzeptieren wurzelt, bewirkt häufig, dass wir ruhiger und entspannter werden und uns insgesamt wohler fühlen.

Erstellt:05. Februar 2010
Stichworte:Veränderungen, Schwangerschaft
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